10.02.2009 | Stadtratsrede des Fraktionsvorsitzenden Thomas Brück zum Abenteuermuseum

Was haben wir nicht schon alles für Orte diskutiert:Deutsches Globetrotter Museum, Rathaus St. Johann (2004), Wildpark und zuletzt Zoo und Stadtarchiv. In letzteres soll es nun untergebracht werden, das sog. „Abenteuermuseum“.Was haben sich Kommunalpolitiker nicht schon alles einfallen lassen: „..das Erbe von Heinz Rox Schulz dürfe nicht zerschlagen werden“, meinte Ralf Latz, Umweltminister Mörsdorf wollte das Forsthaus Neuhaus dafür mietfrei machen, Fr. Nehl lobte Herrn Schulz als „Weltenbummler“. In der Vorlage zur heutigen TO steht zu lesen, dass zwischen den Exponaten und der Person Heinz Rox Schulz ein besonderer Bezug hergestellt werden soll. Zudem wird seiner Person in dem geplanten Museum eine bedeutende Rolle zugesprochen. Es soll wohl eher ein „Heinz-Rox-Schulz-Memorial-Museum“ werden.Ich frage daher, hat dieser Mann eine solche Ehrung verdient?Meine eindeutige Meinung dazu ist: Nein.Rox Schulz war kein „saarländischer Alexander von Humboldt!Bestenfalls ein Umherirrender, entwurzelt und orientierungslos durch den 2. Weltkrieg.Schulz war kein Forscher.Die Ausstellung seiner Exponate zu Lebzeiten, als eine Art Kuriositätenkabinett, konnte meinetwegen noch angehen. Aber heute fast 5 Jahre nach seinem Tod sollten wir sie belassen wo sie sind. Oder abgeben zu einem gemeinnützigen Zweck.Was ist denn so ausstellungswert an einem Leichnam, der, ausgegraben in Peru (Ica Tal), doch nichts anderes ist, als eine Grabschändung und heutzutage, wo wir viel über Beutekunst diskutieren, zurückgegeben werden müsste Und zwar in seine Heimat Peru, anstatt ihn auszustellen.Die koloniale Sichtweise, das unreflektierte Zur-Schau-Stellen dieser Exponate ist der ansonsten gut sortierten Saarbrücker Museumslandschaft nicht zumutbar.Vom schmählichen Ruf des „obwaltenden saarländischen Provinzialismus“ des überregionalen Feuilletons nach Initiierung eines solchen Museums ganz zu schweigen. Den Wert, den finanzielle Wert, zweifele ich nachdrücklich an. Ein wissenschaftliches Gutachten, welches den Versicherungswert von angeblich über 670.000 € rechtfertigen würde liegt nirgends vor. Es handelt sich dabei wohl eher um eine „Selbstschätzung“ durch Rox. Die seit den 80iger Jahren entstandenen Kosten bedürften der besonderer Bearbeitung. Die Einrichtung eines Panoptikums mit Exponaten deren Beschaffung, zumindest teilweise, ein äußerst fragwürdiges Menschenbild spiegelt, wird von uns abgelehnt.Auch wenn frühere grüne Fraktionen das anders sahen, wir sind nach reiflichem Aktenstudium und ausführlichen Debatten zu unserer heutigen Sicht gekommen. Es ist nicht schändlich seine Meinung zu ändern, wenn neue Erkenntnisse entstehen.Bei der Beschäftigung mit dem Sujet stießen wir auch auf allerlei Kuriositäten, insbesondere was die Person von Rox Schulz betrifft, eine davon darf ich hier zitieren.Gefragt, wem er denn alles so begegnet sei bei seinen Reisen antwortet Schulz:

Zitat „ ...In Südamerika einigen Schweizern, Franzosen. Aber Einzelpersonen, Gruppen nicht so. Amerikaner hat’s auch gegeben., schon lange, Amerikaner reisen ja schon lange, nach dem Süden des Sudans, nich wahr, vor allem die amerikanischen Frauen. Weil dort, in Juba,
[oder ‚Dschuba’, Stadt im Südsudan, TB] die Neger, die Schwarzen, so’ n langes Glied haben, bis zum Knie. Deswegen fahren die dort hin.“ Zitatende.Interview mit Norbert Lüdtke (aufgezeichnet, nicht bearbeitet, 19. April 1995, Haus Rehwinkel) Wir lehnen die VWL 0010/09 ab.